Verlagerung der Eruption zum Kūpaianaha

Im Juli 1986 brach der bisherige Ausbruchskanal auf, so dass sich die Lava einen neuen Weg suchte: den Kūpaianaha-Kanal, drei Kilometer nordöstlich des Puʻu ʻŌʻō. Hierdurch endeten auch die Lavafontänen und es begann eine fünfeinhalb Jahre andauernde Phase, in der nahezu kontinuierlich Lava ausströmte. Oberhalb des Kūpaianaha bildete sich ein Lavasee, der durch häufiges Überlaufen einen breiten und niedrigen Schild schuf, dessen maximale Höhe von 55 Metern in weniger als einem Jahr erreicht war. Nach einigen Wochen kontinuierlicher Ausbrüche bildete sich über dem aus dem See herausführenden Hauptkanal durch seitliche Lavaablagerungen stückweise ein Dach, so dass schließlich eine Lavaröhre entstand. Durch eine solche Röhre wird die Hitze eines Lavastroms konserviert und es bilden sich Pahoehoe-Ströme, die weitaus flüssiger als ʻAʻā-Ströme sind. Diese weisen erkaltet eine flache und glatte, manchmal auch seilartige oder gewellte Oberfläche auf und werden daher auch als „Stricklava“ bezeichnet.
Die durch die Röhre freigesetzten Pahoehoe-Ströme breiteten sich in Richtung der zwölf Kilometer südöstlich gelegenen Küste aus, benötigten hierbei jedoch drei Monate für die gleiche Entfernung, die die ʻAʻā-Ströme des Puʻu ʻŌʻō zuvor in einem Tag zurückgelegt hatten. Anfang November 1986 waren die Ströme erstmals von der Gemeinde Kapaʻahu aus sichtbar. Im Laufe des Novembers zog die Lava des Kūpaianaha eine Schneise durch Kapaʻahu und blockierte den Küstenhighway, bevor sie schließlich Ende November ins Meer einmündete. Einige Wochen später verlagerte sich der Lavastrom nach Osten und begrub innerhalb eines Tages 14 Häuser am nordwestlichen Rand der Ortschaft Kalapana. Dieser Lavafluss versiegte jedoch, nachdem die Lavaröhre nahe dem Ausbruchskanal verstopfte.Innerhalb der nächsten drei Jahre zerstörten Pahoehoe-Ströme Häuser auf beiden Seiten des sich kontinuierlich verbreiternden Abflussbereichs. Anfänglich wurde die Richtung dieser Ströme von topographischen Gegebenheiten gelenkt, mit der Zeit wurden jedoch auch hochgelegene Landmarken überspült.
Von Mitte 1987 bis Ende 1989 floss ein Großteil der Lava direkt ins Meer. Durch die Hitze des Eintritts entstehende Dampfexplosionen zermahlten das erkaltende Gestein in schwarzen, glasartigen Sand, der sich stromabwärts in Buchten zu neuen Stränden ansammelte und an steilen Hängen unterhalb des Wasserspiegels Bänke bildete, die mit der Zeit die Landfläche erweiterten. Im Frühling 1990 brach das Röhrensystem zum Meer allmählich auf, so dass es vermehrt zu Strömen an der Oberfläche kam. Diese drangen in neue Gebiete vor und begruben das Wahaʻula-Besucherzentrum und angrenzende Häuser im Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark.