Kollaps der Westflanke
In der Nacht des 30. Januar 1997 leerte sich der Ausbruchskanal des Puʻu ʻŌʻō, wodurch aufgrund des fehlenden Gegendrucks des Magmas zunächst der Boden des Kraters und anschließend die Westflanke des Kegels einstürzten. Einige Zeit später brachen neue Erdspalten auf, aus denen für kurze Zeit im und um den Napau-Krater Lava ausströmte. Diese Phase war nach 24 Stunden vorüber. Der Einsturz hinterließ eine große Bresche in der Westflanke des Berges und das entstandene Geröll verflachte den Krater auf nun 210 Meter Tiefe. In den folgenden 23 Tagen konnte am Ausbruchsort keine aktive Lava mehr beobachtet werden.
Die nächste Phase begann am 24. Februar 1997, als sich erneut ein Lavasee am Boden des Puʻu ʻŌʻō-Kraters bildete. Einen Monat später trat Lava auch aus neuen Ausbruchskanälen auf den West- und Südwestflanken des Kegels aus. Mitte Juni 1997 stieg der Lavapegel innerhalb des Kraters erstmals nach elf Jahren wieder über den Rand des Kraters. Lava floss über die Ostseite des Berges und verteilte sich bis zu eineinhalb Kilometer weit hangabwärts in der Riftzone. Bereits nach kurzer Zeit lief die Lava jedoch bereits durch Kanäle im Kraterboden ab, so dass keine weiteren Ströme über den Rand traten.
Im Juli 1997 erreichten erneut Lavaströme den Ozean, und flossen dort nahe der Ostgrenze des Hawaiʻi-Volcanoes-Nationalpark an zwei Stellen, Wahaʻula und Komakuna, bis Anfang 1999 ins Meer ein.
Am 14. Januar 1998 stieg der Pegel innerhalb des Puʻu ʻŌʻō wieder drastisch an, so dass erneut Lava über den Kraterrand hinweg floss. Gleichzeitig trat Lava in Gestalt von Fontänen und Strömen aus einigen Einsturzkratern der Südflanke aus. Diese strömte im weiteren Verlauf des Jahres direkt in das Röhrensystem um den Puʻu ʻŌʻō ein. Die sich kontinuierlich durch das Tephra des Kegels fressenden Ströme destabilisierten den Puʻu ʻŌʻō zunehmend, so dass sich im Dezember 1997 ein neuer Einsturzkrater an der Südwestflanke des Kegels bildete. Dieser „Puka Nui“ genannte Krater durchmaß zum Ende des Jahres 1998 bereits mehr als 175 Meter.